Meine erste Reaktion, als ich den Monatsspruch gelesen habe, lautete: Warum eigentlich? Wieso muss ich Gott mehr gehorchen als den Menschen? Warum soll ich einem abstrakten Wesen, das ich nicht sehen und nicht anfassen kann, mehr gehorchen als einem menschlichen Wesen, einem Gegenüber?

 

Bei genauerer Betrachtung fielen mir dann die beiden Verben in dem Vers auf. Müssen und gehorchen. Das sind zwei unbequeme Wörter. Müssen und gehorchen sind bei uns als freiheitsliebende, aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts extrem verpönt. Ist also der Glaube an Gott doch auf Zwang und Druck aufgebaut, was viele glaubensferne Menschen am Christentum stört?

 

Der auf den ersten Blick so einfach daherkommende Vers wird auf einmal ganz sperrig. Er passt nicht in unseren Zeitgeist. Er fordert uns heraus. Er verlangt eine Reaktion unsererseits. Er ist kein Kuschel- und Wohlfühlvers. Ist es also doch eine Drohbotschaft im Sinne von du musst, du musst, du musst?

 

Es geht aus meiner Sicht bei diesem Vers letztendlich um die Fragen „Was bleibt?“ und „Was zählt wirklich im

 

Leben?“. Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Fragen heißt Jesus Christus. Er hat uns gezeigt, warum es wichtig ist, sich mehr auf Gott zu verlassen als auf Menschen. Sein Leben und Handeln war stets an göttlichen Maßstäben ausgerichtet, weil unsere menschlichen Maßstäbe zu kurz greifen und nicht tragfähig sind.

 

Es ist zwar allzu menschlich, sich als Mensch auf menschliche Maßstäbe zu verlassen, weil wir ja nichts anderes kennen. Aber Jesus hat uns gelehrt, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, dass da noch was kommt und dass es sich lohnt, sich bereits jetzt auf diese göttliche Welt vorzubereiten. Denn das ist unser wahrer Bestimmungsort, dort sind wir wirklich zu Hause.

 

In dem Wort „gehorchen“ steckt ja auch das Horchen, also das Hören drin. Wenn wir also Gott gehorchen, dann horchen wir auf sein Wort und gehören zu ihm. So verstanden ist der Monatsspruch kein Zwang, sondern die Einladung zur Freiheit im ewigen Leben. Also doch eine Frohbotschaft! Gott sei Dank.

Martin Sautter