"Die Sprache des Herzens" heißt ein  neuer Film in den deutschen Kinos. Er erzählt die Geschichte eines blinden und gehörlosen Mädchens im ausgehenden 19. Jahrhundert in Frankreich. 14 Jahre lang lebte Marie bei ihren Eltern. Außer ihnen hatte sie keine Verbindung zur Außenwelt. Aber Mutter und Vater wissen, dass Marie mehr braucht. Und so bringen sie das Mädchen in ein Institut, in dem sich Ordensschwestern um gehörlose Mädchen kümmern.

Schwester Marguerite und ihrer hartnäckigen Liebe ist es zu Verdanken, dass Marie gegen den Willen der Schwester Oberin aufgenommen wird. Und es beginnt ein langer Kampf, der mal still, mal laut und heftig Marie aus ihrer Isolation führt, sie  aufbrechen lässt in ein Leben voller Bilder und Wunder.

"Heute bin ich einer Seele begegnet, einer kleinen sehr zerbrechlichen, einer eingesperrten Seele. Einer Seele, die durch die Gitter ihres Gefängnisses wie tausend Lichter strahlte." Diese Worte schreibt Schwester Marguerite nach ihrer ersten Begegnung mit Marie in ihr Tagebuch. Und dann macht sie sich auf den langen Weg zu Marie. Sie wendet sich ihr zu. Berührungen sind der Schlüssel zur Begegnung. Die Nonne lässt sich auf Maries Welt ein. Und  gemeinsam entdecken sie eine Sprache, die sie verbindet.

Nehmt einander an...

Findet eine gemeinsame Sprache, geht aufeinander zu, begegnet euch mit Respekt. So unterschiedlich ihr auch seid, so unterschiedlich eure Welten auch sein mögen, aus denen ihr kommt   -  es gibt eine gemeinsame Sprache, die euch verbindet.

...wie Christus euch angenommen hat...

Er hat sich auf den Weg gemacht, den Weg zu den Menschen. Er ist in ihr Leben gekommen, in ihre Hütten ist er gegangen, in ihren Streit, in ihren Alltag, in ihre Gemeinschaft und in ihr Leid ist er den Menschen gefolgt. Er ist ihnen mit Liebe begegnet und hat sie ins  Leben  geführt . Immer  und immer wieder.

...zu Gottes Lob.

Die aktuelle Jahreslosung kann ein Leitsatz für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, für unser ganzes Leben sein. Dem anderen mit Achtung begegnen, ihn willkommen heißen in dieser Welt, in unserer Gemeinde, in unserem Land und in diesem Leben. Das ist nicht immer leicht, das ist manchmal mit Missverständnissen und Diskussionen, auch mit Auseinandersetzung verbunden. Aber es lohnt sich. Und es ist kein Selbstzweck.

Es hat einen Grund - zu Gottes Lob.

Am Ende des Films enthüllt Marguerite ihrer Seelentochter Marie, dass sie bald sterben wird. Und Marie begreift, dass es etwas gibt, das größer ist, als der menschliche Wille und das Leben an sich. Sie versteht es, als Marguerite ihr sagt: "Gott - ist nicht nur da oben im Himmel, er ist überall um uns herum und auch hier in dir.“

Wolfgang Dressler