Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jahreslosung 2016: Jesaja 66, 17

Ein neues Jahr hat begonnen. Was wird es uns wohl bringen? Was erwarten wir von ihm, was befürchten wir? Bevor wir uns daran machen, die Chancen und Risiken der kommenden Monate abzuwägen, könnte es hilfreich sein, erst mal auf unsere eigene Stimmung zu achten. Wie gehe ich in das neue Jahr? Welche Angst und welche Sorge, welche Hoffnung erfüllt mich? Ist es bei mir etwa wie bei jenem Mann auf der Zeichnung. Sein mürrisches und griesgrämiges Gesicht spricht deutlich davon, dass er eben nichts Schönes und Gutes erwartet. Und wer nichts Schönes und Gutes erwartet und erhofft, der wird auch nichts anderes erfahren. Wer in Bitterkeit auf das neue Jahr schaut, wird auch Bitteres darin finden. Und so verstehe ich auch die Worte der Frau neben ihm: Das neue Jahr wird so wie du. Bin ich also wirklich offen für das neue Jahr? Kann ich Erfahrungen auch zurücklassen, um wieder neu zu wagen, was zum Leben gehört: Vertrauen nämlich. Wir erkennen Gott nur, wenn wir uns auf ihn einlassen, wenn wir ihn voll Vertrauen erwarten.

So ist es auch mit dem Trost, von dem die Jahreslosung spricht. Was man zu erleben hofft, das muss man auch erwarten und erhoffen. Gott tröstet uns – auf vielerlei Weise: durch sein Wort und Sakrament, durch freundliche und zugetane Menschen, durch Lieder und Musik, durch Bilder, durch wie überall hingetupfte kleine Zeichen also. Sie erscheinen uns nicht immer eindeutig. Sie sind aber alle Gottes Trost. Die Mutter oder der Vater, die trösten, brennen dabei auch selten riesige Feuerwerke ab, sondern nehmen uns in den Arm, streicheln behutsam über den Schmerz, kochen oder lesen etwas vor. Und verschaffen so etwas Abstand zum Unheil.

Von der Mutter und dem Vater erwarten wir es. Wir laufen zu ihnen hin, weil wir des Trostes bedürftig sind. So wünscht es sich auch Gott, denke ich mir: dass wir mit unserem inneren Kind uns ihm öffnen und von ihm erwarten, was wir brauchen, nämlich Trost. Und dann kann es gut werden, das neue Jahr. Dann kann es werden, was ich für möglich halte. Dann kann es werden, wie ich aussehe.

Michael Odenwald