Wenn man diesen Spruch liest, fällt einem nicht viel ein, was es darüber hinaus mehr zu sagen gäbe. Lernen Gutes zu tun, für Recht zu sorgen und sich um Randgruppen in unserer Gesellschaft zu kümmern deckt doch so ziemlich alles ab, was ein Christ zu machen hat. Was will also dieser Spruch, was will Jesaja damit sagen, frägt man sich. Liest man daraufhin die ganze Textstelle, so erscheint der auf den ersten Blick doch stark motivierende Spruch in einem anderen Licht. Nur ein paar Sätze davor verkündet Gott durch Jesaja seinem Volk, dass er nichts von dessen zahlreichen Opfern hält, dass er seine Augen abwendet, wenn dieses Volk ihre Gottesdienste abhalten will und dass ihre Affektiertheit in seinem Hause zu viel für ihn ist. Er hat genug vom satten Gebaren hinter Räucherwerk und Brandopfer. Er ist müde ihre zahlreichen Feste mitzutragen. Gott hat die Zuversicht in sein Volk ganz klar verloren.

Wenn man dies nun liest und beginnt sich darauf emotional einzulassen, so erinnert mich diese Brandrede doch stark an eine andere Ansprache aus unserer Zeit. Giovanni Trapattoni, der damalige Trainer des Rekordmeisters FC Bayern München, kritisierte und diskreditierte vor ein paar Jahren auf ähnliche Weise sein „Volk“. Auch er ließ seinerseits kein gutes Haar an seinen Spielern. Zum Ende packte er seine Papiere zusammen und beendete seine Rede mit den Worten: „Ich habe fertig“. Für ihn war diese Angelegenheit damit beendet, er hatte gesagt, was er sagen wollte und es gab somit kein Morgen mehr.

Und dabei zeigt sich nun der große Unterschied zur Brandrede Gottes. Gott ist natürlich genauso wenig einverstanden mit seinen Spielern wie Trapattoni, auch er kritisiert, verdammt und wendet sich ab. Doch er hat nicht fertig. Er beendet nicht sein Engagement, er gibt nicht auf. Mit seinem Impuls, sich zu waschen, sich vom Bösen abzuwenden und zu lernen Gutes zu tun, eröffnet er jedem einzelnem einen Ausweg. Für ihn beginnt damit in jedem Augenblick ein neuer Weg und eine neue Chance. Und dieser Weg ist aus seiner Sicht denkbar einfach, so einfach, dass er sich in einem Satz erklären lässt. Lernen Gutes zu tun, gerecht zu sein und sich um die Schwachen zu kümmern.

Obwohl dies auf den ersten Blick nicht schwer klingt, so ist es doch nicht einfach und selbstverständlich. Mich aber erfüllt es mit Freude in der Gewissheit zu leben auch in dunklen und fast aussichtslosen Tagen mit einfachen Regeln immer einen Weg zurück zu wissen. Und dabei Im Vertrauen zu leben, dass keiner fertig hat und einen fallen lässt. Und in diesem Vertrauen lerne ich jeden Tag ein bisschen mehr Gutes zu tun, für Recht zu sorgen und Unterdrückten und Außenstehenden zu helfen.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Jan Baur

Was macht eigentlich Facebook zu einem der erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit? Ist es vielleicht die Tatsache, dass Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, zur sprichwörtlich richtigen Zeit am richtigen Ort war, also das richtige Produkt genau zur richtigen Zeit auf den Markt gebracht hat? Dies ist sicherlich ein ganz entscheidender Punkt, ein weiterer Erfolgsfaktor liegt aber
meiner Meinung nach auch in einer aufgeschlossenen und ermutigenden Arbeitsatmosphäre.
Was konkret damit gemeint sein soll? Auf einem Plakat in der Facebook-Zentrale ist eine Frage an alle Mitarbeiter gerichtet, diese lautet: "Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?"
Wenn wir uns ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzen, so fällt uns bestimmt vieles ein was wir in unserem Leben anders machen würden – andere Entscheidungen, die wir treffen würden oder andere Wege, die wir einschlagen würden.
Facebook hat sicherlich nicht die Absicht, die Ängste seiner Mitarbeiter abzuschaffen. Schließlich sind Ängste völlig normal und eigentlich gar nichts Schlimmes. Ängste bewahren uns schließlich vor vielen gefährlichen Situationen. Dennoch wirkt die Angst häufig wie ein Bremsklotz in unserem Leben. Und natürlich kann es im Leben immer wieder Situationen geben, wo es kaum noch Hilfe oder Hoffnung gibt. Da fällt es schwer, sich nicht zu fürchten oder nicht zu erschrecken, da bringt man es kaum fertig, getrost
und unverzagt zu sein. Aber auch da sind wir eingeladen, mit Gottes Hilfe zu rechnen. Auch wo wir Menschen wenig Möglichkeiten sehen, lädt uns Gott ein, ihm zu vertrauen und nicht in Panik zu geraten, da uns seine Liebe und sein "Fürchte dich nicht!" immer gelten.
Eigentlich ist es erstaunlich, dass die erfolgreichsten, innovativsten und vermeintlich fortschrittlichsten Unternehmen unserer Zeit so lange für diese Erkenntnis gebraucht haben. Schließlich steht der Monatsspruch:"Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken!“ seit ca. 3000 Jahren in der Bibel.

David Nerz

Einen Rundbrief schreibt Paulus an die Gemeinden in der Landschaft Galatien. Er beschreibt christliches Leben, wie es stattfinden sollte – von Früchten des Heiligen Geistes begleitet. Es geht also um eine Art von geistlichem Früchtebrot. Dessen wichtigster Inhalt ist die Liebe – in dreierlei Form: Liebe zu Gott, Liebe zu meinen Mitmenschen und Liebe zu mir selbst. Nach diesem Grundrezept für den gesamten Glaubensteig folgt die Freude. Eine Freude über so viele Dinge und vor allem eine „frohe Botschaft“, wie das Evangelium heißt. Und danach folgt die Sicherheit für unser Leben, der Frieden. Wenn diese Grundlagen gelegt sind als Basis für unseren Glauben, werden sich Langmut, Freundlichkeit und Güte wie von selber einstellen. Darin liegen Aufgaben für unser alltägliches Leben, so viele Früchte, die wir ernten dürfen. Und schließlich vervollständigt durch Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Vielleicht sind die letzten drei Früchte am schwersten zu ernten. So wäre Selbstbeherrschung wie eine Prise Salz für den Glauben des Paulus und seiner Gemeinden.
Ein Text im Evangelium des Johannes berichtet auch von den Früchten; Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Johannes 15, 5). Eine Rebe muss die Frucht nicht aus sich herauspressen. Sie trägt sie einfach. Die Frucht aus dem Geist teilt sich auf in viele Früchte. Wir brauchen diese unterschiedliche Stärkung für unse-ren Glauben, damit wir im Alltag nicht untergehen.

Erich Franz

In diesem Psalm beklagt der Beter die Ungerechtigkeit der Welt. Er, der sich zu Gott hält, muss sehen, wie es den Gottlosen gut geht, wie sie anscheinend keine Probleme im Leben haben. Wie sie gegen Gott reden und ihnen die Leute nachlaufen und recht geben.
Aber er sieht dann, wie leer und ohne Sinn letztendlich deren Leben ist und freut sich, dass er Gott kennt und er sich an den halten darf, der ihn hält.
Kann man es nicht auch ein wenig mit unserer Zeit vergleichen. Denen, die sich heute zu Gott bekennen, steht der Trend entgegen. An Gott zu glauben, ihm nachzufolgen, hat keinen großen Stellenwert in unserer Zeit. Vielen ist es sogar eine Lust, den Gott, der uns heilig ist, in den Schmutz zu ziehen und dieses dann Kunst zu nennen.
Deshalb kann jedem von uns, der diesen Gott kennt, dieses Wort des Monatsspruchs Kraft und Hilfe geben.
Für mich kommt dieser Psalm gleich nach Psalm 23. Es ist mir unvergesslich, wie ihn ein Pfarrer bei einer Beerdigung ausgelegt hat: bei allem, was dir begegnet, bei allen Problemen, in allen Schwierigkeiten und in aller Not, auch bei allem Zweifel an seiner Kraft, Gott hält dich an deiner rechten Hand – er lässt dich nicht los, egal was du tust und egal, was dir angetan wird!
Dieses Wissen und die Erfahrung, dass es stimmt, hat mir in meinem Leben viel Kraft gegeben. Ich wünsche, dass alle, die diesen Psalmvers nachsprechen können, auch diese Erfahrung machen dürfen:
Gott hält dich an deiner rechten Hand.
Karlheinz Zeeb

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gal.3,28

Paulus ist entsetzt: Ihm ist zu Ohren gekommen, dass Prediger in die jungen christlichen Gemeinden nach Galatien gekommen sind und dort Verwirrung stiften. Sie verlangen, dass sich die Gläubigen beschneiden lassen, also den jüdischen Glauben annehmen. Nur als Jude, der treu die Gesetze hält, könne man an Christus glauben. Diese Vorstellung war nicht neu, immerhin war Jesus Jude, alle seine Aposteln und auch Paulus selbst war Jude. Dass man auch zu den Heiden, den Nichtjuden gehen kann und denen das Evangelium verkündigen, war in der jungen christlichen Gemeinschaft nicht unumstritten.

Kurz vorher wurde dieses Thema aber endgültig auf dem Apostelkonzil in Jerusalem geklärt (Apg. 15) und Paulus glaubte wohl, das die Diskussion damit erledigt sei. Anscheinend gab es aber noch immer Christen, die ein vom Judentum unabhängiges Christentum nicht akzeptierten und sich darauf beriefen, dass Gott seinen Bund ja nur mit dem Volk Israel geschlossen habe.

Und noch schlimmer: ihm, Paulus, wurde in den Gemeinden in Galatien vorgeworfen, er sei doch gar kein richtiger Apostel, weil er ja gar kein Augenzeuge Jesu war.. Paulus ist stinksauer und schreibt den Galaterbrief, einen Brief an seine Gemeinden in Galatien. In diesem Brief wehrt er sich entschieden und mitunter sogar mit deftigen und polemischen Worten gegen die Vorwürfe.