Gedenken für die Opfer von Hanau

Mittagsgebet in Stuttgart - Zeichen gegen das Wegsehen

Stuttgart/Hanau. Den Opfern des Terroranschlags von Hanau galt am Freitag das Mittagsgebet in der Stuttgarter Stiftskirche. Pfarrer

Matthias Vosseler nannte die Bluttat mit insgesamt elf Toten nicht nur einen Anschlag auf Muslime. Auch der Angriff im Herbst auf die Synagoge in Halle sei nicht allein ein  Anschlag auf Juden. Solche Taten seien ein Anschlag „gegen das, was uns alle zusammenhalten soll:

die Demokratie“.

 

„Ihr seid auch schon Fremde gewesen“

Die Bluttat in Hanau war am Freitag auch Thema für die württembergische Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer. In ihrer Andacht „Anstöße“ in den SWR-Hörfunkprogrammen 1, 2 und 4 zitierte sie aus dem Alten Testament: „Wenn ein Fremder in eurem Land wohnt, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst - denn ihr seid auch schon Fremde gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott."

(3. Mose 19, 33 - 34).

Jedoch sei die reale Situation im „christlichen Abendland“ eine andere als in der Bibel gefordert, stellte sie fest: „Die Fremden sind nicht sicher bei uns - nicht die aus anderen Nationen, und nicht die mit anderem Glauben.“ Sie schäme sich dafür, dass so etwas möglich sei, sagte Pfarrerin Panzer. Und sie fürchte, dass das jüngste Verbrechen eine Bestätigung für die Verbohrten sei: „Jetzt schlagen sie zu, weil sie sich nicht mehr allein fühlen."

Ihre Forderung: „Im christlichen Abendland muss das aufhören.“ Und weiter: „Rechte und Linke, deutsche und nichtdeutsche Gewalttäter müssen

erleben: Sie sind nicht das Volk!“

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Fürbittgebet

nach dem Anschlag auf die Menschen

in Hanau

Herr, du unser Gott,

wir stehen fassungslos vor den Nachrichten aus Hanau und denken an die Opfer und Hinterbliebenen.

Sei bei allen, die extremistische Gewalt fürchten, von ihr betroffen und bedroht sind.

Spende den Leidenden Trost und gib den politisch Verantwortlichen Weisheit. Lass sie und uns nüchtern und fest handeln.

Wehre aller Aufgeregtheit und Hetze.

Wo wir Augen-und Ohrenzeugen sind, da lass uns sehend werden.

Hilf, das Richtige zu sagen und zu tun.

Gott, unser Vater, du hast die Menschen geschaffen nach deinem Bilde. Wehre allen, die blind und in Verblendung handeln, durch Taten oder Worte Unterschiede geltend machen wollen zwischen deinen Kindern, die du doch alle mit gleicher Würde begabt hast und gleichermaßen liebst.

Wo dein Angesicht leuchtet, darf es keine gruppenbezogenen Ausgrenzungen und keine Gewalt geben.

Jesus Christus, unser Bruder, du bist in die Welt gekommen als ein Mensch, einfach und gering.

Du siehst mit liebendem Blick und stellst dich an die Seite derer, die verachtet und gedemütigt sind. Wehre du der Irrlehre, dass es bessere und schlechtere Menschen gibt und dem Hochmut derer, die bestimmen wollen, wem Würde zukommt und wem nicht, wo du doch allen gleichermaßen Gnade und Erlösung anbietest.

Wo dein Wort gehört wird, darf es keinen Hass geben.

Heiliger Geist, unser Tröster, du geleitest die Kirche.

Wehre aller Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit, die uns durch Unterlassung mitschuldig werden lassen an der Friedlosigkeit unserer Zeit.

Wo du regierst, darf der Zeitgeist nicht die Hoffnung auf Gottes Friedensreich unterdrücken.

 Amen

Dr. Frank Zeeb Evangelischer Oberkirchenrat

Referat Theologie, Kirche und Gesellschaft