Wenn man in der Reutlinger Fußgängerzone die Menschen fragen würde: „Was ist das Wichtigste für Sie im Leben?“, dann würden wahrscheinlich einige sagen: „Mein Ehepartner“ oder „Meine Familie“, vielleicht auch „Gesundheit“, „Glück“ oder „glücklich sein“. Jüngere Menschen würden vielleicht sagen „ein guter Schulabschluss“ oder „ein Beruf, der mich ausfüllt“. Wiederum einige würden wohl sagen „Dass der VfB nicht absteigt!“. Die Beantwortung dieser Frage ist offensichtlich nicht einfach und auch nicht eindeutig und scheint sich im Laufe des Lebens auch zu verändern, je nachdem, in welcher Lebensphase man

sich gerade befindet.

Ich würde nicht viel Geld darauf setzen, dass irgendjemand die Frage mit „Gott“ beantworten würde, außer es käme vielleicht Martin Luther vorbei. Der hat in seinem Katechismus nämlich den Satz geschrieben „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“.   Dieser Satz  ist  dem Monats-

spruch sehr ähnlich.

Es geht dabei um die Frage, was mir in meinem Leben wichtig ist, also woran ich mein Herz hänge bzw. wo ich mit ganzem Herzen dabei bin, was für mich die erste Priorität besitzt. Für die Menschen zur Zeit des Richters Samuel im Alten Testament war diese Frage eigentlich ausreichend beantwortet.

Sie hatten mit den 10 Geboten eine Übersicht über die wichtigsten Regeln menschlichen Zusammenlebens erhalten. Diese Übersicht beginnt mit der Aussage „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Oder anders ausgedrückt: „Gott sagt zu mir: Ich bin deine Nummer 1. Das reicht.“ Doch wie ja bekannt ist, hielten sich die Israeliten nur bedingt an diese Regel und tanzten schon bald ums goldene Kalb. In der Bibel tauchen immer wieder Geschichten auf, die davon erzählen, wie Menschen ihre Prioritäten neu setzen und Gott

dadurch von Platz 1 verdrängt wird.

Zurzeit Samuels war das ebenfalls so, und daher erinnert er seine Mitmenschen an die wahre Priorität: „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu.“ Also setzt Gott wieder auf Platz 1 eurer Prioritätenliste. Das bedeutet nicht, dass wir alles andere aufgeben sollen oder müssen. Im Leben dürfen auch Liebe, Glück, Beruf, Familie, Freude und sogar Fußball ihren Platz haben, aber eben nicht den ersten. Denn der ist für Gott reserviert. Wenn wir unser Leben an seinen Maßstäben ausrichten (also ihm dienen), dann wird das nicht nur auf unser jetziges Leben Auswirkungen haben, sondern auch auf unser zukünftiges im Himmel.

Martin Sautter