„Ich habe Frieden gefunden!“ Wie schön, wenn das einer so sagen kann! Frieden ist ein Schatz für Leib, Seele und Geist. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ ruft uns die Jahreslosung zu. Wieso suchen und  nachjagen? Das klingt anstrengend. Ist Frieden denn nicht einfach da? 

Wortfetzen fliegen durch die Luft. Türen knallen. Ein ganz normales Wohnhaus. -

Ein Schüler schreit den anderen an. Der andere schlägt zu. Ein ganz normaler Schulhof in der Pause. -

Die eine knallt den anderen ab. Ein ganz normaler Kinofilm.-

„Krieg ist manchmal unvermeidlich.“ Eine ganz normaler politischer Kommentar.

Offenbar versteht Frieden sich nicht von selbst. Er liegt versteckt hinter dem, was oft als normal gilt.

Kinder wurden aufgefordert, ein leeres Blatt in der Mitte zu falten. Links sollten sie malen, was ihnen zu „Krieg“ einfällt. Und rechts, woran sie denken, wenn sie „Frieden“ hören. Die linken Blattseiten waren schnell gefüllt. Aber rechts? Ein Kind malte nochmal das Gleiche wie links und strich alles mit einem großen X durch. Bei Etlichen blieb das Blatt leer. Ein Kind malte ein Haus mit Fenstern und Blumen und einem Baum, aus dem Schornstein qualmte es. „Du malst wie im Kindergarten“, kommentierte sein Nachbar.

Ist friedliches Leben langweilig – und eher was für Looser?

Unsere Jahreslosung stellt Frieden vor als einen Schatz, der gesucht werden muss.

„Juhu, Schatzsuche!“ rufen die Kinder beim Kindergeburtstag – und schon jagen sie los. Wo gibt es Spuren zum Schatz?

Jesus hat Spuren zum Frieden gelegt. „Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, halte ihm auch die linke hin,“ sagt er in der Bergpredigt (Mt 5,39). Wer ein Gegenüber rechtshändig auf die rechte Backe schlägt, muss das mit den Handrücken machen. Mit dem Handrücken schlugen Sklavenhalter ihre Sklaven. Der Handrückenschlag markierte eine Demütigung. Und jetzt hält da einer plötzlich die linke Backe hin, nachdem er einen Schlag auf die rechte Backe bekommen hat. Was ist denn das? Die Verwirrung steht dem Schlagenden ins Gesicht geschrieben. Wenn er jetzt erneut mit der rechten Hand zum Schlag ausholt, muss er es mit der Handfläche tun. Doch das wäre in der damaligen Logik ein Schlag auf Augenhöhe. Die Person, die die linke Backe hinhält, markiert also dem Gegenüber: wir beide stehen auf Augenhöhe – das kannst du mir nicht nehmen! - Vielleicht wendet der Schläger sich daraufhin verwirrt ab – und die Gewalt ist unterbrochen?

Ein zweites Wort der Bergpredigt: „Wenn dich einer bittet, eine Meile mit ihm zu gehen, gehe mit ihm zwei.“ (Mt 5,41). Zur Zeit Jesu hatten römische Soldaten das Recht, jemanden aufzufordern, ihr Gepäck eine Meile weit zu tragen. Doch nur eine Meile – wenn ein Soldat mehr verlangte, konnten sich die Betroffenen bei der Behörde beschweren und der Soldat wurde belangt. Was aber tut ein Soldat, wenn ein Träger nach einer Meile sagt: „Ich trage dein Gepäck noch eine zweite Meile!“? Auch hier geschieht etwas, was wir neudeutsch „Reframing“ nennen: Der Träger tut so, als würde er den Soldatenrucksack freiwillig tragen. Ich stelle mir vor, wie der Soldat den Rucksack an sich reißt und schnell wegläuft. Die Verhältnisse haben sich verkehrt: Plötzlich stellt der Unterdrückte eigene Spielregeln auf.

In beiden Fällen wird es spannend – wie beim Kindergeburtstag. Finden die beiden in den Frieden? So, dass beide als kostbare, von Gott geliebte Menschen aufrecht ihres Weges ziehen? Der erste Schritt ist getan.

Friedenssuche ist voller Lebensenergie. Ich bin gespannt, welche Bilder wir malen werden, wenn wir in diesem Jahr den Frieden suchen und ihm nachjagen.

Ihre Pfarrerin Dr. Susanne Edel

 

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Das wichtigste Spiel im Vereinsfußball war beendet. Der FC Barcelona hat das Champions League Finale am 6. Juni 2015 gegen Juventus Turin gewonnen. Mitten in dieser emotionalen Partylaune, mittendrin im hochoptimierten kommerziellen Fußballgeschäft, zwischen italienischer Niedergeschlagenheit und spanischem Siegestaumel – mitten im Blitzlichtgewitter plötzlich ein klares Bekenntnis für Gott.

Einer der besten Fußballspieler der Welt, Neymar streckt den Pokal nach oben und weist doch über sein unglaubliches fußballerisches Können hinaus. Neymar steht im Mittelpunkt – doch stellt er jemand anderes über sich, über sein Talent, über den Erfolg. „100% Jesus“, so steht es auf seinem weißen Stirnband.

Das ist ein starkes Zeichen in heutiger Zeit. Ein persönliches Glaubensbekenntnis. Kurz und doch mit lebensbezogener Tiefe. Woran glaube ich? Aus welcher Hoffnung lebe ich? Woraus schöpfe ich Stärke? In der Sportwelt, meinem Arbeitsleben, in Beziehungen, im Erfolg, in der Niederlage, Neymars Stirnbandbotschaft ist ein Lied seiner persönlichen Biographie. Ein Lied für Gott, den Schöpfer, den Retter, den Begleiter. Gott, der Herr, ist mein Lied? Mit Liedern verbinden wir in der Regel etwas Positives. Oft singen wir, weil wir gut gelaunt sind. Dann erfreuen wir uns an unserem Leben und es fällt uns leicht, Gott zu danken und zu loben. Als Spitzensportler glaubt Neymar sicher auch an sich, seine Fähigkeiten, ans Team – aber dabei bleibt er nicht. Wird er auch ein Vorbild für uns?

„Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden“ stammt aus der Zeit der Flucht  aus Ägypten. Nun erleben wir im Normalfall keinen Durchzug durchs Schilfmeer. Aber es kommt doch bei vielen Menschen immer wieder zu Situationen im Leben, die sie völlig aus der Bahn werfen und keine gute Perspektive zulassen. Dann ist es wichtig zu wissen, dass wir nicht allein sind auf dem Weg durch das Leben, durch eine Krise. Es ist gut zu wissen, dass der Gott, der Israel geführt hat, auch bei uns ist. Jesus Christus hat das in eindrücklicher Weise gezeigt und es uns zugesagt: Ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Wenn wir uns darauf verlassen, dann werden auch wir sagen können: Gott ist mir zum Retter geworden. Durch ihn bin ich stark und ich kann davon ein Lied singen.

Oder eben so wie es auf Neymars Stirnband stand „100% Jesus.“

David Nerz

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…ein Tempel des Heiligen

Geistes…

Als Paulus seinen ersten Brief an die Gemeinde in Korinth verfasste, muss es dort ziemlich heftig herge­gan­gen sein. Es gab Streit in der Gemeinde, Anfeindungen zwischen verschiedenen Gruppierungen und Zügellosigkeit und auch Paulus selbst war wohl in Korinth alles andere als unumstritten. So findet er in seinem Schreiben deutliche, manchmal auch polemische Worte, um den Christen in Korinth deutlich zu machen, dass es nur einen Herrn gibt: den Gekreuzigten.

Sicherlich, die junge Christenheit hatte noch keine jahrhundertelange Tradition gehabt. Strukturen mussten noch wachsen, vieles hat sich erst noch finden müssen: Die Naherwartung, das Christus bald wiederkommen würde, wurde enttäuscht, das Bewusstsein, durch Christus von Schuld reingewaschen zu sein, führte zu missverstandener Freiheit von Regeln und Gesetz.

In diese Unsicherheit hinein, spricht Paulus diese Sätze, die auch heute nichts von ihrer Brisanz verloren haben: „Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, Ihr gehört Gott, nicht Euch selbst.“

Auch für uns gilt: Ja, wir sind Befreite von der Last des Gesetzes. Wir werden nicht nach unseren Werken gerichtet werden. Durch den Gekreuzigten sind wir von dieser Bürde befreit. Aber heißt das auch, dass uns jetzt alles erlaubt ist?

Paulus macht deutlich, dass wir als Erlöste in einer ganz anderen Verantwortung stehen: Als Menschen, die wir durch die Liebe Gottes bestehen können, sollte man uns dies auch anmerken. Nicht, weil das von uns für unser Heil gefordert ist, nicht, weil das Gesetz es einmal so verlangt. Sondern weil der Geist Gottes in uns wohnt und wirken will, weil Gottes Liebe in uns Frucht bringen will.  Wenn wir bekennen, dass wir Gottes Kinder sind, wenn wir wollen, dass die Menschen uns das auch glauben, damit sie selbst Hoffnung in Christus finden können, dann sollten wir auch versuchen, „glaub-würdig“ zu leben.

Was glaubwürdig ist, kann man nicht in allgemeine Gesetze fassen, kann individuell sehr unter­schied­lich interpretiert werden und sicher auch zu Meinungsverschiedenheiten führen. Es meint aber immer, dass mein Denken und Handeln geprägt ist und gelenkt wird von der Liebe Gottes, die ich in mir spüre.

Zu diesem Anspruch der Glaubwürdigkeit, den wir als Glaubende an uns selbst stellen sollten, gehört aber immer auch der Zuspruch, dass Gott uns auch in den Situationen trägt, wenn wir diesem Anspruch einmal nicht gerecht werden.

Klaus-Dieter Kriegeskorte

 

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jahreslosung 2016: Jesaja 66, 17

Ein neues Jahr hat begonnen. Was wird es uns wohl bringen? Was erwarten wir von ihm, was befürchten wir? Bevor wir uns daran machen, die Chancen und Risiken der kommenden Monate abzuwägen, könnte es hilfreich sein, erst mal auf unsere eigene Stimmung zu achten. Wie gehe ich in das neue Jahr? Welche Angst und welche Sorge, welche Hoffnung erfüllt mich? Ist es bei mir etwa wie bei jenem Mann auf der Zeichnung. Sein mürrisches und griesgrämiges Gesicht spricht deutlich davon, dass er eben nichts Schönes und Gutes erwartet. Und wer nichts Schönes und Gutes erwartet und erhofft, der wird auch nichts anderes erfahren. Wer in Bitterkeit auf das neue Jahr schaut, wird auch Bitteres darin finden. Und so verstehe ich auch die Worte der Frau neben ihm: Das neue Jahr wird so wie du. Bin ich also wirklich offen für das neue Jahr? Kann ich Erfahrungen auch zurücklassen, um wieder neu zu wagen, was zum Leben gehört: Vertrauen nämlich. Wir erkennen Gott nur, wenn wir uns auf ihn einlassen, wenn wir ihn voll Vertrauen erwarten.

So ist es auch mit dem Trost, von dem die Jahreslosung spricht. Was man zu erleben hofft, das muss man auch erwarten und erhoffen. Gott tröstet uns – auf vielerlei Weise: durch sein Wort und Sakrament, durch freundliche und zugetane Menschen, durch Lieder und Musik, durch Bilder, durch wie überall hingetupfte kleine Zeichen also. Sie erscheinen uns nicht immer eindeutig. Sie sind aber alle Gottes Trost. Die Mutter oder der Vater, die trösten, brennen dabei auch selten riesige Feuerwerke ab, sondern nehmen uns in den Arm, streicheln behutsam über den Schmerz, kochen oder lesen etwas vor. Und verschaffen so etwas Abstand zum Unheil.

Von der Mutter und dem Vater erwarten wir es. Wir laufen zu ihnen hin, weil wir des Trostes bedürftig sind. So wünscht es sich auch Gott, denke ich mir: dass wir mit unserem inneren Kind uns ihm öffnen und von ihm erwarten, was wir brauchen, nämlich Trost. Und dann kann es gut werden, das neue Jahr. Dann kann es werden, was ich für möglich halte. Dann kann es werden, wie ich aussehe.

Michael Odenwald

"Die Sprache des Herzens" heißt ein  neuer Film in den deutschen Kinos. Er erzählt die Geschichte eines blinden und gehörlosen Mädchens im ausgehenden 19. Jahrhundert in Frankreich. 14 Jahre lang lebte Marie bei ihren Eltern. Außer ihnen hatte sie keine Verbindung zur Außenwelt. Aber Mutter und Vater wissen, dass Marie mehr braucht. Und so bringen sie das Mädchen in ein Institut, in dem sich Ordensschwestern um gehörlose Mädchen kümmern.

Schwester Marguerite und ihrer hartnäckigen Liebe ist es zu Verdanken, dass Marie gegen den Willen der Schwester Oberin aufgenommen wird. Und es beginnt ein langer Kampf, der mal still, mal laut und heftig Marie aus ihrer Isolation führt, sie  aufbrechen lässt in ein Leben voller Bilder und Wunder.

"Heute bin ich einer Seele begegnet, einer kleinen sehr zerbrechlichen, einer eingesperrten Seele. Einer Seele, die durch die Gitter ihres Gefängnisses wie tausend Lichter strahlte." Diese Worte schreibt Schwester Marguerite nach ihrer ersten Begegnung mit Marie in ihr Tagebuch. Und dann macht sie sich auf den langen Weg zu Marie. Sie wendet sich ihr zu. Berührungen sind der Schlüssel zur Begegnung. Die Nonne lässt sich auf Maries Welt ein. Und  gemeinsam entdecken sie eine Sprache, die sie verbindet.

Nehmt einander an...

Findet eine gemeinsame Sprache, geht aufeinander zu, begegnet euch mit Respekt. So unterschiedlich ihr auch seid, so unterschiedlich eure Welten auch sein mögen, aus denen ihr kommt   -  es gibt eine gemeinsame Sprache, die euch verbindet.

...wie Christus euch angenommen hat...

Er hat sich auf den Weg gemacht, den Weg zu den Menschen. Er ist in ihr Leben gekommen, in ihre Hütten ist er gegangen, in ihren Streit, in ihren Alltag, in ihre Gemeinschaft und in ihr Leid ist er den Menschen gefolgt. Er ist ihnen mit Liebe begegnet und hat sie ins  Leben  geführt . Immer  und immer wieder.

...zu Gottes Lob.

Die aktuelle Jahreslosung kann ein Leitsatz für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, für unser ganzes Leben sein. Dem anderen mit Achtung begegnen, ihn willkommen heißen in dieser Welt, in unserer Gemeinde, in unserem Land und in diesem Leben. Das ist nicht immer leicht, das ist manchmal mit Missverständnissen und Diskussionen, auch mit Auseinandersetzung verbunden. Aber es lohnt sich. Und es ist kein Selbstzweck.

Es hat einen Grund - zu Gottes Lob.

Am Ende des Films enthüllt Marguerite ihrer Seelentochter Marie, dass sie bald sterben wird. Und Marie begreift, dass es etwas gibt, das größer ist, als der menschliche Wille und das Leben an sich. Sie versteht es, als Marguerite ihr sagt: "Gott - ist nicht nur da oben im Himmel, er ist überall um uns herum und auch hier in dir.“

Wolfgang Dressler