Seit über einem Jahr arbeite ich jetzt bereits im Home-Office. Die wenigen Male, als ich doch ins Büro gefahren bin, war außer mir kaum jemand da. Hat mich diese Zeit verändert? Ganz eindeutig: Ja!
Großveranstaltungen schrecken mich inzwischen ziemlich ab. Ich habe mich daran gewöhnt, morgens das Haus nicht zu verlassen, den ganzen Tag über bis zum Abend niemanden persönlich zu sehen.

Ich habe zum Glück trotz allem genügend Kontakte, um nicht zu vereinsamen.

Da ist meine Familie, die ich wenigstens am Abend um mich habe, ich habe den Kontakt zu Freunden nicht verloren und auch nach anfänglicher Skepsis mich an Telefon- und Videokonferenzen gewöhnt.

Aber nicht allen geht es so wie mir. Für viele sind in dieser Zeit die letzten Kontakte weggebrochen, Einsamkeit hat Einzug gehalten. Für manche hat die Pandemie existentielle Probleme geschaffen, sie haben ihre Arbeitsstelle verloren oder sie haben Mühe, wirtschaftlich an das Vorher anzuknüpfen. Manch einer hat auch körperlich unter Covid gelitten oder leidet noch immer.

Während am Anfang der Pandemie noch jeder hoffte, dass man bald zum gewohnten Alltag zurückkehren könne, hat jetzt vermutlich manch einer Angst davor.

Dieser Monatsspruch aus dem Hebräerbrief ermahnt uns, aufeinander achtzugeben. Dies ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber in Zeiten eingeschränkter Kontakte leider gar nicht so einfach.

Wahrscheinlich braucht es jetzt noch mehr Sensibilität für die kleinen Zeichen, die das Gegenüber aussendet. Wirkt jemand deutlich trauriger, als gewohnt oder lässt plötzlich gar nichts mehr von sich hören? Vielleicht hilft es, einmal mehr zu fragen, wie es einem geht, wenn man solche Zeichen wahrnimmt…  oder auch einfach nur so.

Klaus-Dieter Kriegeskorte

 

 

Muss man Gott wirklich bitten, dass er hinhört und hinsieht? Sieht und hört Gott nicht eh schon alles, wenn er denn der allmächtige und allwissende Gott ist?

Müssen wir Gott wirklich zeigen und erklären was Inzidenz, Reproduktionszahl, Anzahl der Neuinfektionen pro Tag, Sterbefälle, freie Intensivbetten und Impfquote bedeutet?

Oder etwa exponentielles Wachstum, Impfbefürworter und Coronaleugner. Lockdown und Lockerung. Home-office und Insolvenzwelle. Und müssen wir Gott wirklich erklären, dass politische Aussagen von denen wir dachten, dass sie vor dem Hintergrund unserer Geschichte einen lauten Sturm der Entrüstung auslösen würden, in unserem Land wieder

salonfähig werden.

Vielleicht müssen wir einmal inne halten und uns darauf konzentrieren was jeder von uns jeden Tag beeinflussen kann.

Folgende Geschichte fällt mir dazu ein:

Ein Mann durchquert die Vereinigten Staaten zu Fuß. Irgendwo an der Ostküste bricht er auf.

Er wandert über die bewaldeten Berghänge der Appalachen, durchläuft die Weiten des Mittleren Westens. Auf langen, geraden Straßen, umgeben von endlosen Maisfeldern.

Er erträgt die sengende Hitze der Wüste Nevadas, kämpft sich auf ausgetretenen Pfaden über die Rocky Mountains und durch die dichtbesiedelten Städte Kaliforniens. Endlich am Pazifik angekommen fragt ihn ein Reporter, was denn das Schwierigste und Kräftezehrendste an seiner Wanderung war. Die hohen Berge? Die Hitze?

Die kalten Nächte, die lange Einsamkeit, der schwere Rucksack? Gefährliche Tiere?

Der Mann antwortet schnell:

„Am anstrengendsten  war  der  Sand

in den Schuhen.“

Sand in den Schuhen – was für eine Kleinigkeit, verglichen mit den Hindernissen, die dieser Mann überwunden hat. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Oft ist es doch wirklich der Sand  in  den  Schuhen,  der  das

Leben anstrengend macht.

Ein freundliches Wort – auch das ist nichts Großes, sondern eine Kleinigkeit. Aber es macht das Leben leicht. Genauso wie ein Blumenstrauß, ein Anruf, ein Stück Kuchen, das freundliche „Gut gemacht“, die Einladung zum Kaffee.

Alles keine großen Taten, alles nur Kleinigkeiten. Aber allesamt schütteln sie uns den Sand aus den Schuhen, der den Alltag so anstrengend und kräftezehrend macht. Allesamt lassen sie uns leicht und fröhlich laufen, so dass wir Kraft und Nerven für die wirklichen Herausforderungen haben.

David Nerz

Sind sie nicht schön, die bunten Ostereier?! Überall begegnen sie uns in diesen Tagen wieder: im Gras versteckt, im Supermarkt, auf dem Rathausplatz, in den Brotdosen der Kinder und natürlich daheim auf dem schön gedeckten Frühstückstisch. Da steht das Körbchen voll bunter Eier, vielleicht sogar selbst gefärbt, jedes ein bisschen anders. Man möchte am liebsten gar keins davon aufbrechen und schälen, weil sie so wunderschön aussehen, gerade im Zusammenspiel der unterschiedlichen Farben!

Andererseits ist es die Bestimmung des Eies kaputtzugehen. Es muss zerstört werden, um seinen nahrhaften Inhalt preiszugeben. Beziehungsweise es wird ausgebrütet, und auch dann kann es nicht unversehrt bleiben. Die Schale zerbricht, damit das Neue, das sich in seinem Inneren vorbereitet, beginnen kann.

Nicht ohne Grund ist das Ei seit alter Zeit ein christliches Symbol des Osterfestes. Heißt es doch in den Evangelien, dass auch Jesus sterben und begraben werden musste, damit die Menschen das unbegreifliche Neue erfahren, das Wunder der Auferstehung.

Trotzdem: Der Umgang mit Verlust und Endlichkeit ist auch für uns Christen alles andere als leicht. Ein Osterei zu zerschlagen kostet mich nur einen Moment des Zögerns. Aber geht wirklich im Leben etwas kaputt, zerbricht eine Beziehung zwischen Menschen oder wird gar durch den Tod abrupt beendet, dann ist das eine ganz andere Herausforderung.

Als wir uns vor einem Jahr auf ein Osterfest mit Corona einstellten, da waren wir noch guten Mutes, dass wir die Krise gemeinschaftlich schon stemmen. Inzwischen hat Corona Spuren hinterlassen bei uns allen. Manchem geht es an die wirtschaftliche Existenz, manchem an die Gesundheit, vielen an die Seele. Aber am härtesten trifft es die, denen Corona einen lieben Menschen genommen hat und die ihn vielleicht nicht einmal richtig in seinen letzten Stunden begleiten konnten. Der Abschied ist endgültig, die glatte Schale zerbrochen, und das tut weh.

Nun gilt es! Nun steht die Frage, ob unser

Glaube trägt, ob wir wirklich vertrauen, dass da etwas hervordringt, was Sehen und Verstehen übersteigt. Wie können wir uns dieses neue, von aller Begrenzung befreite Leben vorstellen?

Eine Spur ist für mich der biblische Monatsspruch, den die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen uns für April 2021 an die Hand gibt. In erhabenen Worten heißt es da zu Anfang des Kolosserbriefes:

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes,

der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.

Kolosser 1,15 (Einheitsübersetzung)

„Seht auf Christus!“, sagt uns der Briefschreiber. Schaut auf seine Worte und Wunder, wie er gelebt und wem er sich zugewandt hat. Schaut auf ihn, der am Kreuz hing, elend starb, der hinab musste in die Tiefe des Todes.

Schaut auf ihn. Da seht ihr Gott! Gott, den kein Auge je gesehen und kein Ohr gehört hat – in Jesus steht er uns vor Augen. Seine Auferstehung ist der Sprung in eine andere Wirklichkeit. Eine, die mit der irdischen Existenz so viel und so wenig zu tun hat wie das Huhn mit dem zerbrochenen Ei.

Ostern löscht die Angst vor dem Vergehen nicht aus. Aber weil es Ostern gibt, muss ich mich von dieser Angst nicht verschlingen lassen. Neben sie tritt auch Hoffnung. Ich hoffe darauf, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern das Tor ins Leben bei Gott.

Vielleicht schaffen wir es, diese sehr grundlegende und große Hoffnung schon jetzt hier und dort in ganz kleiner Alltagsmünze ausgezahlt zu finden. Zum Beispiel in Augenblicken der Dankbarkeit für so viel, was Gott mir schenkt, Corona hin oder her. Zum Beispiel wenn einer oder eine nach langer Trauer zum ersten Mal wieder sagt, „Ich freue mich!“. Wenn die Frühlingssonne dem Herzen Flügel gibt. Oder bei einem gemütlichen Osterfrühstück mit bunt gefärbten Eiern, die wir lachend zerschlagen: Auf das Leben!

Herzliche Ostergrüße sendet Euch und allen die zu Euch gehören

Pfarrerin Cordula Modrack

 

 

Monatsspruch Mai 2021

 

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!
Sprüche 31,8

Es ist immer wieder erstaunlich, was es in den Sprüchen Salomos zu lesen gibt. Diese Aufforderung steht am Ende einer Belehrung des jungen Königs von Massa durch seine Mutter. Die Mutter weiß um die Gefahren, denen der junge König ausgesetzt ist.

„Dem schönen Leben“ mit Essen und Trinken wie es damals bei König´s wohl üblich war. Die Mutter möchte Ihren Sohn darauf hinweisen, dass die Aufgabe des Königs nicht das schöne Leben ist, sondern für Recht und Gerechtigkeit in seinem Reich zu sorgen und dem Armen und Elenden zu helfen.

Nun, wir sind nicht bei König`s, aber die guten Ratschläge der Eltern werden in jeder Generation weitergegeben.

Sie wandeln sich und werden richtigerweise immer wieder den Gegebenheiten der Zeit angepasst. Aber es gibt auch Werte, die zu jeder Zeit wichtig und richtig sind.

Die Werte Recht und Gerechtigkeit zählen ebenso dazu, wie die Hilfe für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie brauchen die materielle Hilfe, aber auch Menschen, die den Mund aufmachen, wenn sichtbar ist, dass die Mächtigen dafür sorgen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.

Da sind Politiker ebenso gefordert wie die große Masse derer, denen es gut geht und die in diesem System gut leben können.

Aber es geht in unserer heutigen Zeit nicht nur um die große Politik, auch in unserer kleinen Welt, im Alltag, in der Schule, im Beruf, in der Freizeit, ist es wichtig, dass wir uns mit Anstand begegnen, dass wir nicht mitmachen, wenn gemobbt wird, dass wir einspringen, wenn jemand schwach ist und sich nicht wehren kann, dass Nachrichten im Internet nicht weitergeleitet werden, wenn jemand bloßgestellt wird.

Beispiele gibt es genug, in denen wir gefordert sind, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, denn nur wenn im kleinen Recht und Gerechtigkeit gelebt wird, kann es auch im Großen gelingen. Das gilt für Jung und Alt.

Theo Schneck

 

 

Die Steine würden schreien?

Wie kann das sein? Was müsste geschehen, dass dieses unglaubliche Ereignis passieren würde?
Alles sieht fast normal aus, damals in Jerusalem. Eine größere Gruppe kommt da gemächlich zur Stadt herein. Ein paar Leute springen von hinten nach vorne und legen vor der Gruppe Kleider und Palmzweige nieder. Ist die Gruppe einige Meter weitergezogen, holen sie die Sachen von hinten wieder nach vorne. Und mittendrin reitet Jesus auf einem Esel. Um ihn herum ist alles in Bewegung. Und die Gruppe ist nicht leise, sie schreien: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!

Alle sollen es hören, alle müssen es wissen: Der Messias kommt hier, er zieht in Jerusalem ein.
Einige gehen zu Jesus und sagen: Gebiete der Gruppe, dass sie still seien, sonst wird das die Obrigkeit auf den Plan rufen und sie werden geeignete Maßnahmen ergreifen, um dich zu stoppen und die Gruppe mundtot zu machen.
Aber Jesus sagt ihnen, dass die Gruppe nicht schweigen kann, denn sonst müssten es die Steine herausschreien: Es ist wahr geworden, was ihr seit Jahrhunderten wisst:

Der Messias kommt und ich bin es!
Die Obrigkeit lässt nicht lange auf sich warten: Verhaftung, (Schein-) Prozess, Hinrichtung. So das war’s!? Denkste: An Ostern zeigt Jesus, dass Gott ganz andere Wege geht, als wir es erwarten und uns ausdenken können.

Er wird von den Toten auferweckt und wenn wir es nicht hinausschreien,  dass  Jesus  auferstan-

den ist, würden es die Steine tun.
Jesus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

David Nerz