Bulgarische Fußballfans skandieren faschistische Gesänge, zeigen den Hitlergruß.

Die Gewalt gegen Menschen unterschiedlicher Religionen nimmt zu – Christen werden in zahlreichen Ländern und auf fast allen Kontinenten dieser Erde verfolgt.

Muslime werden mehr und mehr in einen Topf mit dem extremistischen und gewaltbereiten Islam geworfen

In Halle greift ein schwer bewaffneter Mann die Synagoge an, tötet 2 Menschen und verletzt weitere.

Gewalt war und ist in unserer Welt zu finden. Sie begleitet unsere Geschichte und unseren Alltag. Sie kommt aus vielen verschiedenen Richtungen und richtet sich auch gegen ganz unterschiedliche Gruppen und Menschen. Eines haben diese jedoch meist gemeinsam: sie glauben an etwas anderes, sie denken anders, sie sehen anders aus, sie leben anders.

Was mich erschreckt, ist die Tatsache, dass in letzter Zeit die Hemmschwelle zu sinken scheint - die Hemmschwelle, die uns letztlich als Menschen die Macht über die Gewalt und die Aggression gibt.

Woran liegt das? Warum nimmt der Antisemitismus wieder zu oder warum wird er wieder sichtbarer? Warum ist die Hassrede, die Hatespeech in aller Munde?

Und was ist das überhaupt?

Auf der Website der Amadeo Antonio Stiftung findet man folgende Definition:

Hate Speech kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Hassrede“. In menschenverachtenden Aussagen werden Einzelne oder Gruppen abgewertet. Die sprachlichen Angriffe können auf Merkmale wie Hautfarbe, Herkunft, Sexualität, Geschlecht, Alter, Behinderung oder Religion von Menschen zielen. Diese Abwertungen basieren auf der Annahme, dass bestimmte Menschengruppen weniger wert als andere seien. Damit werden ihnen gegebenenfalls auch gleiche  Rechte abgesprochen – schlimmstenfalls das Recht zu leben.

Manchmal erlebe ich unsere Welt und unsere Gesellschaft als einen sehr dunkeln Ort. So, wie Jesaja ihn beschreibt. Die Angst scheint übermächtig, der Hass steuert das Denken und Handeln vieler.

Doch warum haben wir Angst vor dem Anderen? Warum müssen wir das Fremde, das andere so oft abwerten, statt im  Anderen einen Schatz, eine Chance zu sehen?

Dabei ist der Mensch doch auch Teil des Anderen – immer!

Wo wir geboren werden, ist reiner Zufall. In eine Millionärsfamilie in San Fransisco, als Kind eines Slumbewohners in Lateinamerika, als Tochter oder Sohn einer Familie in Deutschland, in eine christliche, muslimische, hinduistische oder jüdische Familie.

Das andere gehört zu uns. Denn wo wir leben, ist Zufall.

Wir sind Christen. Aber wir sind dies, weil ein Jude vor 2000 Jahren sich aufgemacht hat und eine ganz neue Geschichte des Glaubens geschrieben hat.

Wir lesen die Worte des Jesaja im Alten Testament, dem Teil der Bibel, den wir mit Juden gemeinsam haben und der auch für Muslime von Bedeutung ist. Das andere gehört zu uns.

Die meisten von uns haben einen sogenannten multikulturellen Hintergrund, sei es aus den Zeiten großer Fluchtbewegungen, sei es aus Liebe oder einem anderen Grund. Das andere gehört zu uns.

Wir alle haben  unsere Handicaps, können nicht alles, haben unsere Schwächen und Grenzen, aber eben auch unsere Stärken. Das andere gehört zu uns.

Wir müssen uns nicht stärker und besser machen, indem wir andere klein und schlecht machen.

Und dabei kann uns ein Blick auf den helfen, von dem bei Jesaja steht: vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse dich auf deinen Gott.

An vielen Stellen finden wir bei diesem Propheten des Alten Testaments Hinweise auf den Retter, der kommt, das Licht, das in das Dunkel der Welt dringt.

Für uns ist dieser Retter in Jesus in die Welt gekommen. Vor 2000 Jahren, als kleines, zartes Kind in eine rauhe Wirklichkeit.

Als er erwachsen war, hat er sich aufgemacht zu den Menschen. Er hat Ihnen von der Liebe erzählt, der Liebe Gottes zu seinen Kindern.

Und vom Vertrauen, das unser Leben stärkt, ihm eine Richtung gibt und eine gute Basis. Dem Vertrauen in Gott.

Wer im Dunkeln lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

Im Dunkeln leben, heißt nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Sondern dem nachzufolgen, dessen Geburt wir nun bald wieder feiern.

Denn wir können etwas tun. Gegen die Angst. Gegen die Hassreden. Wir können Stellung beziehen, wir können aufeinander zugehen.

Vorhin habe ich von gewaltbereiten Fußballfans erzählt.

Die gibt es. Für einige ist Fußball ein Ventil ihrer eigenen Frustration und politischen Gesinnung. Man wird gesehen und kann gleichzeitig in der Masse verschwinden. Genauso ist es mit den Hassreden im Internet. Man kann anonym bleiben und Hass säen.

Aber Fußball oder Sport im Allgemeinen kann genauso wie das Worldwideweb auch etwas ganz anderes. Es können Orte sein, die Menschen unterschiedlicher Lebensstile, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Religion miteinander verbinden.

Im Jahr 2010 waren von den damals lebenden knapp 7 Milliarden Menschen auf dieser Welt 6 Milliarden Teil einer Religiösen Gemeinschaft.

Die Christen stellen bis heute die größte Gruppierung – rund 33% weltweit.

Wir können etwas tun. Wir können Teil der Solidarität mit denen sein, die verfolgt werden, wir können Teil eines anderen Umgangs mit denen sein, die unterdrückt oder gedemütigt werden. Auch und gerade hier bei uns in unserem Dorf, in unserer Stadt, in unserem Land.

Im Kleinen fängt Zusammenleben an. Vielleicht bin ich deshalb manchmal so empfindlich, wenn es doch „nur“ um einen Spaß geht. Genau dann, wenn er auf Kosten anderer geschieht. Auf Kosten von Minderheiten. Oder wenn es nur um die persönliche Meinung geht. Nein, es geht nicht um Meinungsfreiheit, wenn ich andere demütige. Deshalb ist es gut, wenn wir aufstehen, gegen Ausgrenzung, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Diskriminierung. Von allen Seiten.

Denn ich glaube, Halle geht auch uns etwas an.

Damit unsere Welt ein bisschen heller werde.

Diakon Wolfgang Dressler

 

Wenn im CVJM die Parole ausgegeben würde: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“, was würden wir darauf antworten? Würden wir sagen, alles klar Chef, wird gemacht? Oder wären wir etwas irritiert, hätten vielleicht Probleme zu verstehen, was damit gemeint ist?

Gehen, verkündigen, Himmelreich?  Das Kapitel 10 des Matthäus-Evangelium, aus dem unser Monatsspruch stammt, ist überschrieben mit „Die Berufung der Zwölf“. Der Evangelist erzählt, wie Jesus zwölf Jünger auswählt  und sie beauftragt, den Menschen in Israel die Botschaft vom nahenden Himmelreich zu bringen. Sie sollen zu den Menschen hingehen. Wie machen wir es? Warten wir eher ab, bis die Menschen zu uns kommen? Klagen wir gar darüber, dass scheinbar immer weniger Menschen den Weg in die Gottesdienste oder in unsere Gruppen und Kreise, in unseren CVJM finden? Oder sind wir kreativ, haben Ideen, wie wir Menschen auch außerhalb unserer kirchlichen Räumen erreichen können? Hingehen - eine große Herausforderung, wie ich meine.

Wir sollen hingehen und verkündigen! Doch was bedeutet verkündigen?    Verkündigen meint, wir sollen weitersagen, was wir als Christen gesehen und gehört haben. Jesus begegnet seinen Jüngern in ihrem Alltag. Diese Begegnung verändert sie so, dass sie alles verlassen, was ihnen vorher wichtig und wertvoll ist. Sie folgen ihm nach! Jesus wird zu ihrem besten Freund, dem sie sich ganz anvertrauen. In seiner Nähe müssen sie gespürt haben, was es heißt, wenn der Himmel die Erde berührt. Doch was ist der Himmel? In unserer Deutschen Sprache haben wir für Himmel nur ein Wort. Im Englischen gibt das Wort „sky“ und das Wort „heaven“. „Sky“ meint eher den Himmel, den wir über uns sehen, wenn wir Spazieren gehen oder den die Weltraumfahrer auf ihren Expeditionen erkunden. Mit „heaven“ aber ist der Himmel gemeint, der ein Ausdruck für das Schöne ist, für das Gute, das Gerechte, das Friedliche (Schalom), das Vollkommene, der Ort, wo Gott wohnt.  Doch Jesus meint mit Himmelreich noch etwas anderes. Jesus bezieht das Himmelreich ganz konkret auf seine Person. Mit ihm, mit seinem Kommen auf die Erde, mit seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung ist der Himmel uns ganz nahe gekommen. In seiner frohen Botschaft von der Gnade und Liebe Gottes, die allen Menschen gilt, berühren sich Himmel und Erde. Wenn wir eine lebendige Freundschaft mit ihm pflegen, wenn wir seine Gebote halten, wie sie uns auch in der Bergpredigt überliefert sind (Mtth. 5 – 7), dann ist das Himmelreich ganz nahe, auch wenn uns die Last der Welt noch zu schaffen macht. Weil das die beste Nachricht  ist die es gibt, deshalb sollen wir als Nachfolger Jesu, als Mitarbeitende im CVJM und in der Kirchengemeinde, hingehen und verkündigen in Wort und Tat: Das Himmelreich ist nahe

Dazu wünscht viel Kraft, Fantasie und Ausdauer,

Ihr / Euer Karl-Heinz Thurm

Was für eine Aussage, können wir die auch machen?

Für König David war nach den Erfahrungen seines Volkes klar, alles hat mit Gott zu tun. Sein Leben war deshalb davon geprägt, Gott in seine Entscheidungen einzubinden und die Propheten seiner Zeit wurden nicht müde, seine Taten im Lichte Gottes zu bewerten. Da gab es nicht nur Lob, da wurde auch manche Schwachstelle des Königs aufgedeckt und trotzdem, König David erkennt für sich - es ist niemand, der vergleichbar wäre, mit dem Gott seiner Väter, der die Israeliten aus Ägypten geführt hatte.

Wir kommen von der Osterzeit her, einer Zeit, in der wir dem Leiden und Sterben des Gottessohnes gedacht haben und in der wir die Auferstehung Jesu gefeiert haben. In unseren Gottesdiensten sprechen wir uns an Ostern die Verheißung zu - Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Gibt es etwas größeres, als das was Gott in Jesus für uns tat, der den Tod überwunden hat und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat?

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir!  

Die Israeliten sprachen vom Gott Abrahams, dem Gott Isaaks und dem Gott Jakobs.

Wir Christen sprechen von dem dreieinigen Gott. Von Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem heiligen Geist. Wie er uns von Jesus bezeugt wurde.

Eins aber gilt für Israeliten wie für Christen, die Beziehung zu Gott muss persönlich gelebt werden, damit eine Beziehung entstehen kann in der wir Erfahrungen mit Gott machen können, die wir dann auch weitergeben können, so wie König David im Alten Testament, oder wie die Apostel der frühen Christenheit im Neuen Testament, wie Martin Luther im Mittelalter, oder wie viele Menschen in unseren Tagen.

Lassen wir uns hineinnehmen in die Verheißungen Gottes, so dass wir sein Wirken in unserem Leben spüren und fühlen können. 

Theo Schneck

 

 

Freundliche Reden sind

Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder (Sprüche 16,24)

„Ja, klar doch“, denke ich, das ist vollkommen klar. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.

Aber der Monatsspruch hört nicht damit auf, wie ich rede. Nein, es geht weiter mit: Süß für die Seele und heilsam für die Glieder. Mein (Dein) freundliches Reden tut dem Anderen gut. Es wärmt ihn und es heilt ihn sogar.

Da ertappe ich mich doch diese Woche bei der Arbeit, wie ich manchmal nicht freundlich meinen Kollegen geantwortet habe. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich in so einen Ton gesprochen habe.

Ich weiß es nicht! Aber ich weiß, dass wenn ich etwas überlegt hätte, so knapp eine Sekunde, dabei etwas gelächelt hätte, dann hätte ich die Zeit gehabt, um eine freundliche Antwort zu geben. Manchmal bin ich zu schnell mit meiner Antwort.

Da habe ich Nachholbedarf.
Aber ich selbst bin zu schwach dazu, das allein zu ändern. Deshalb darf ich diesen Nachholbedarf in einem Gebet, vielleicht ist es ein kleines, kurzes Stoßgebet, unserem Herrn Jesus sagen.

Und wir sollen nicht nur einmal am Tag freundliche reden. Nein, es steht im Plural – freundliche Reden. Das heißt jetzt nicht, dass ich immer nur freundlich sein soll und der Andere darf unfreundlich oder sogar schlecht daherreden. Aber ich soll so oft es geht freundlich reden. Und dazu brauche ich auch Jesus. Denn wenn es mich schmerzt, kann er diese Wunden heilen.

Volker Nerz

Ein Vermächtnis

„Ich bin stolz auf Dich“, sagt der Vater auf dem Sterbebett zu Andi, seinem Sohn. „Du hast mein Leben reich gemacht“, betont der Ehemann seiner Frau Hilde gegenüber in seinen letzten Tagen immer wieder.

Der Sohn hat die Worte täglich im Ohr, die sein Vater ihm noch gesagt hat. Für die Witwe wird der Satz ihres Mannes in ihrer Trauer zur Kraftquelle.

Wertvolle Vermächtnisse haben die beiden bekommen. Für sie viel bedeutsamer als eine teure Uhr, ein wertvolles Grundstück oder Geld.

Jesus macht seinen Freunden in seinen letzten Tagen (mit der Besonderheit, dass Jesu letzte Tage nach seinem Tod, nach seiner Auferstehung und kurz bevor er sie wieder verlässt, stattfinden) auch ein Vermächtnis: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, verspricht er ihnen. Er will den Leuten, die ihn schrecklich vermissen werden, Trost und Hoffnung mit auf den Weg geben. Mit diesem Vermächtnis endet das Matthäusevange-

lium. Das Schlusswort ist gesprochen.

„Der ständige Begleiter“

„Wäre Papa jetzt auch noch stolz auf mich?“, in letzter Zeit fragt sich Andi das immer öfter, und das kann ihn ganz schön unter Druck setzen. „Ich hätte sein Leben aber noch viel reicher machen können, oft hab ich es ihm auch echt schwer gemacht“, überlegt sich Hilde in den Monaten nach dem Tod ihres Mannes und wird darüber traurig.

So können die Vermächtnisse auch zur Belastung werden. Und wie ist das bei dem Vermächtnis von Jesus?

„Ich bin bei euch alle Tage“ – Claudia Schreiber, streng christlich erzogen, beschreibt in ihrem Roman „Ihr ständiger Begleiter“, was es anrichten kann, wenn Gott als ständiger Begleiter nicht mehr los zu werden ist: wenn Gott nicht nur als Beschützer und Tröster da ist, sondern als jemand, der unaufhörlich ins eigene Leben eingreift, der Vorschriften macht, zum Spielverderber und zum ständig kontrollierenden Auge wird.

Ich verstehe gut, dass man nicht ständig beäugt werden will. Dass es Zonen braucht, in denen wir absolut ungestört und ungesehen sind. Dass es Gedanken und Erlebnisse gibt, von denen niemand etwas wissen soll. Nicht erst in Zeiten von Facebook und Co ist  es  wichtig, die Pri-

vatsphäre geschützt zu wissen.

Eine Hülle aus Liebe und Wärme

Ist dieses Vermächtnis von Jesus also mehr Zumutung als Zusage? So wie Jesus in der Bibel beschrieben ist, läge es ihm fern als unangenehmer Begleiter zu gelten. Jesus ist keiner, der immer alles besser weiß, keiner, der moralisch unter Druck setzt, Hasskommentare abgibt und verhöhnt, keiner, der uns mit erhobenem Zeigefinger und einem „tststs“ auf den Lippen argwöhnisch beobachtet.

Jesus ist leidenschaftlich, aber eben leidenschaftlich FÜR den Menschen. Er ist der, der zu der Frau steht, die von allen verachtet wird. Der, der sich mit denen abgibt, für die alle nur einen abwertenden Blick übrig haben. Der, der auf die zugeht, die anderen Angst einflößen. Der, der immer wieder überrascht mit seiner radikalen Menschenfreundlichkeit. So was sind wir vielleicht einfach nicht gewöhnt. So gesehen finde ich es aber eine schöne Vorstellung, dass Jesus alle Tage bei uns ist, mit übermenschlicher Liebe für uns, die wir so radikal, so bedingungslos und so leidenschaftlich vielleicht sonst gar nicht kennen. Wie eine Hülle aus lauter Wärme und Liebe, die nicht zerstört werden kann, so stelle ich mir Jesus vor,

der alle Tage bei uns ist.

Ihre/ Eure Cordula Modrack