Freundliche Reden sind

Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder (Sprüche 16,24)

„Ja, klar doch“, denke ich, das ist vollkommen klar. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus.

Aber der Monatsspruch hört nicht damit auf, wie ich rede. Nein, es geht weiter mit: Süß für die Seele und heilsam für die Glieder. Mein (Dein) freundliches Reden tut dem Anderen gut. Es wärmt ihn und es heilt ihn sogar.

Da ertappe ich mich doch diese Woche bei der Arbeit, wie ich manchmal nicht freundlich meinen Kollegen geantwortet habe. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich in so einen Ton gesprochen habe.

Ich weiß es nicht! Aber ich weiß, dass wenn ich etwas überlegt hätte, so knapp eine Sekunde, dabei etwas gelächelt hätte, dann hätte ich die Zeit gehabt, um eine freundliche Antwort zu geben. Manchmal bin ich zu schnell mit meiner Antwort.

Da habe ich Nachholbedarf.
Aber ich selbst bin zu schwach dazu, das allein zu ändern. Deshalb darf ich diesen Nachholbedarf in einem Gebet, vielleicht ist es ein kleines, kurzes Stoßgebet, unserem Herrn Jesus sagen.

Und wir sollen nicht nur einmal am Tag freundliche reden. Nein, es steht im Plural – freundliche Reden. Das heißt jetzt nicht, dass ich immer nur freundlich sein soll und der Andere darf unfreundlich oder sogar schlecht daherreden. Aber ich soll so oft es geht freundlich reden. Und dazu brauche ich auch Jesus. Denn wenn es mich schmerzt, kann er diese Wunden heilen.

Volker Nerz

Was für eine Aussage, können wir die auch machen?

Für König David war nach den Erfahrungen seines Volkes klar, alles hat mit Gott zu tun. Sein Leben war deshalb davon geprägt, Gott in seine Entscheidungen einzubinden und die Propheten seiner Zeit wurden nicht müde, seine Taten im Lichte Gottes zu bewerten. Da gab es nicht nur Lob, da wurde auch manche Schwachstelle des Königs aufgedeckt und trotzdem, König David erkennt für sich - es ist niemand, der vergleichbar wäre, mit dem Gott seiner Väter, der die Israeliten aus Ägypten geführt hatte.

Wir kommen von der Osterzeit her, einer Zeit, in der wir dem Leiden und Sterben des Gottessohnes gedacht haben und in der wir die Auferstehung Jesu gefeiert haben. In unseren Gottesdiensten sprechen wir uns an Ostern die Verheißung zu - Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Gibt es etwas größeres, als das was Gott in Jesus für uns tat, der den Tod überwunden hat und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat?

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir!  

Die Israeliten sprachen vom Gott Abrahams, dem Gott Isaaks und dem Gott Jakobs.

Wir Christen sprechen von dem dreieinigen Gott. Von Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem heiligen Geist. Wie er uns von Jesus bezeugt wurde.

Eins aber gilt für Israeliten wie für Christen, die Beziehung zu Gott muss persönlich gelebt werden, damit eine Beziehung entstehen kann in der wir Erfahrungen mit Gott machen können, die wir dann auch weitergeben können, so wie König David im Alten Testament, oder wie die Apostel der frühen Christenheit im Neuen Testament, wie Martin Luther im Mittelalter, oder wie viele Menschen in unseren Tagen.

Lassen wir uns hineinnehmen in die Verheißungen Gottes, so dass wir sein Wirken in unserem Leben spüren und fühlen können. 

Theo Schneck

 

Wenn man in der Reutlinger Fußgängerzone die Menschen fragen würde: „Was ist das Wichtigste für Sie im Leben?“, dann würden wahrscheinlich einige sagen: „Mein Ehepartner“ oder „Meine Familie“, vielleicht auch „Gesundheit“, „Glück“ oder „glücklich sein“. Jüngere Menschen würden vielleicht sagen „ein guter Schulabschluss“ oder „ein Beruf, der mich ausfüllt“. Wiederum einige würden wohl sagen „Dass der VfB nicht absteigt!“. Die Beantwortung dieser Frage ist offensichtlich nicht einfach und auch nicht eindeutig und scheint sich im Laufe des Lebens auch zu verändern, je nachdem, in welcher Lebensphase man

sich gerade befindet.

Ich würde nicht viel Geld darauf setzen, dass irgendjemand die Frage mit „Gott“ beantworten würde, außer es käme vielleicht Martin Luther vorbei. Der hat in seinem Katechismus nämlich den Satz geschrieben „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“.   Dieser Satz  ist  dem Monats-

spruch sehr ähnlich.

Es geht dabei um die Frage, was mir in meinem Leben wichtig ist, also woran ich mein Herz hänge bzw. wo ich mit ganzem Herzen dabei bin, was für mich die erste Priorität besitzt. Für die Menschen zur Zeit des Richters Samuel im Alten Testament war diese Frage eigentlich ausreichend beantwortet.

Sie hatten mit den 10 Geboten eine Übersicht über die wichtigsten Regeln menschlichen Zusammenlebens erhalten. Diese Übersicht beginnt mit der Aussage „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Oder anders ausgedrückt: „Gott sagt zu mir: Ich bin deine Nummer 1. Das reicht.“ Doch wie ja bekannt ist, hielten sich die Israeliten nur bedingt an diese Regel und tanzten schon bald ums goldene Kalb. In der Bibel tauchen immer wieder Geschichten auf, die davon erzählen, wie Menschen ihre Prioritäten neu setzen und Gott

dadurch von Platz 1 verdrängt wird.

Zurzeit Samuels war das ebenfalls so, und daher erinnert er seine Mitmenschen an die wahre Priorität: „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu.“ Also setzt Gott wieder auf Platz 1 eurer Prioritätenliste. Das bedeutet nicht, dass wir alles andere aufgeben sollen oder müssen. Im Leben dürfen auch Liebe, Glück, Beruf, Familie, Freude und sogar Fußball ihren Platz haben, aber eben nicht den ersten. Denn der ist für Gott reserviert. Wenn wir unser Leben an seinen Maßstäben ausrichten (also ihm dienen), dann wird das nicht nur auf unser jetziges Leben Auswirkungen haben, sondern auch auf unser zukünftiges im Himmel.

Martin Sautter

Ein Vermächtnis

„Ich bin stolz auf Dich“, sagt der Vater auf dem Sterbebett zu Andi, seinem Sohn. „Du hast mein Leben reich gemacht“, betont der Ehemann seiner Frau Hilde gegenüber in seinen letzten Tagen immer wieder.

Der Sohn hat die Worte täglich im Ohr, die sein Vater ihm noch gesagt hat. Für die Witwe wird der Satz ihres Mannes in ihrer Trauer zur Kraftquelle.

Wertvolle Vermächtnisse haben die beiden bekommen. Für sie viel bedeutsamer als eine teure Uhr, ein wertvolles Grundstück oder Geld.

Jesus macht seinen Freunden in seinen letzten Tagen (mit der Besonderheit, dass Jesu letzte Tage nach seinem Tod, nach seiner Auferstehung und kurz bevor er sie wieder verlässt, stattfinden) auch ein Vermächtnis: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, verspricht er ihnen. Er will den Leuten, die ihn schrecklich vermissen werden, Trost und Hoffnung mit auf den Weg geben. Mit diesem Vermächtnis endet das Matthäusevange-

lium. Das Schlusswort ist gesprochen.

„Der ständige Begleiter“

„Wäre Papa jetzt auch noch stolz auf mich?“, in letzter Zeit fragt sich Andi das immer öfter, und das kann ihn ganz schön unter Druck setzen. „Ich hätte sein Leben aber noch viel reicher machen können, oft hab ich es ihm auch echt schwer gemacht“, überlegt sich Hilde in den Monaten nach dem Tod ihres Mannes und wird darüber traurig.

So können die Vermächtnisse auch zur Belastung werden. Und wie ist das bei dem Vermächtnis von Jesus?

„Ich bin bei euch alle Tage“ – Claudia Schreiber, streng christlich erzogen, beschreibt in ihrem Roman „Ihr ständiger Begleiter“, was es anrichten kann, wenn Gott als ständiger Begleiter nicht mehr los zu werden ist: wenn Gott nicht nur als Beschützer und Tröster da ist, sondern als jemand, der unaufhörlich ins eigene Leben eingreift, der Vorschriften macht, zum Spielverderber und zum ständig kontrollierenden Auge wird.

Ich verstehe gut, dass man nicht ständig beäugt werden will. Dass es Zonen braucht, in denen wir absolut ungestört und ungesehen sind. Dass es Gedanken und Erlebnisse gibt, von denen niemand etwas wissen soll. Nicht erst in Zeiten von Facebook und Co ist  es  wichtig, die Pri-

vatsphäre geschützt zu wissen.

Eine Hülle aus Liebe und Wärme

Ist dieses Vermächtnis von Jesus also mehr Zumutung als Zusage? So wie Jesus in der Bibel beschrieben ist, läge es ihm fern als unangenehmer Begleiter zu gelten. Jesus ist keiner, der immer alles besser weiß, keiner, der moralisch unter Druck setzt, Hasskommentare abgibt und verhöhnt, keiner, der uns mit erhobenem Zeigefinger und einem „tststs“ auf den Lippen argwöhnisch beobachtet.

Jesus ist leidenschaftlich, aber eben leidenschaftlich FÜR den Menschen. Er ist der, der zu der Frau steht, die von allen verachtet wird. Der, der sich mit denen abgibt, für die alle nur einen abwertenden Blick übrig haben. Der, der auf die zugeht, die anderen Angst einflößen. Der, der immer wieder überrascht mit seiner radikalen Menschenfreundlichkeit. So was sind wir vielleicht einfach nicht gewöhnt. So gesehen finde ich es aber eine schöne Vorstellung, dass Jesus alle Tage bei uns ist, mit übermenschlicher Liebe für uns, die wir so radikal, so bedingungslos und so leidenschaftlich vielleicht sonst gar nicht kennen. Wie eine Hülle aus lauter Wärme und Liebe, die nicht zerstört werden kann, so stelle ich mir Jesus vor,

der alle Tage bei uns ist.

Ihre/ Eure Cordula Modrack

„Ich habe Frieden gefunden!“ Wie schön, wenn das einer so sagen kann! Frieden ist ein Schatz für Leib, Seele und Geist. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ ruft uns die Jahreslosung zu. Wieso suchen und  nachjagen? Das klingt anstrengend. Ist Frieden denn nicht einfach da? 

Wortfetzen fliegen durch die Luft. Türen knallen. Ein ganz normales Wohnhaus. -

Ein Schüler schreit den anderen an. Der andere schlägt zu. Ein ganz normaler Schulhof in der Pause. -

Die eine knallt den anderen ab. Ein ganz normaler Kinofilm.-

„Krieg ist manchmal unvermeidlich.“ Eine ganz normaler politischer Kommentar.

Offenbar versteht Frieden sich nicht von selbst. Er liegt versteckt hinter dem, was oft als normal gilt.

Kinder wurden aufgefordert, ein leeres Blatt in der Mitte zu falten. Links sollten sie malen, was ihnen zu „Krieg“ einfällt. Und rechts, woran sie denken, wenn sie „Frieden“ hören. Die linken Blattseiten waren schnell gefüllt. Aber rechts? Ein Kind malte nochmal das Gleiche wie links und strich alles mit einem großen X durch. Bei Etlichen blieb das Blatt leer. Ein Kind malte ein Haus mit Fenstern und Blumen und einem Baum, aus dem Schornstein qualmte es. „Du malst wie im Kindergarten“, kommentierte sein Nachbar.

Ist friedliches Leben langweilig – und eher was für Looser?

Unsere Jahreslosung stellt Frieden vor als einen Schatz, der gesucht werden muss.

„Juhu, Schatzsuche!“ rufen die Kinder beim Kindergeburtstag – und schon jagen sie los. Wo gibt es Spuren zum Schatz?

Jesus hat Spuren zum Frieden gelegt. „Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, halte ihm auch die linke hin,“ sagt er in der Bergpredigt (Mt 5,39). Wer ein Gegenüber rechtshändig auf die rechte Backe schlägt, muss das mit den Handrücken machen. Mit dem Handrücken schlugen Sklavenhalter ihre Sklaven. Der Handrückenschlag markierte eine Demütigung. Und jetzt hält da einer plötzlich die linke Backe hin, nachdem er einen Schlag auf die rechte Backe bekommen hat. Was ist denn das? Die Verwirrung steht dem Schlagenden ins Gesicht geschrieben. Wenn er jetzt erneut mit der rechten Hand zum Schlag ausholt, muss er es mit der Handfläche tun. Doch das wäre in der damaligen Logik ein Schlag auf Augenhöhe. Die Person, die die linke Backe hinhält, markiert also dem Gegenüber: wir beide stehen auf Augenhöhe – das kannst du mir nicht nehmen! - Vielleicht wendet der Schläger sich daraufhin verwirrt ab – und die Gewalt ist unterbrochen?

Ein zweites Wort der Bergpredigt: „Wenn dich einer bittet, eine Meile mit ihm zu gehen, gehe mit ihm zwei.“ (Mt 5,41). Zur Zeit Jesu hatten römische Soldaten das Recht, jemanden aufzufordern, ihr Gepäck eine Meile weit zu tragen. Doch nur eine Meile – wenn ein Soldat mehr verlangte, konnten sich die Betroffenen bei der Behörde beschweren und der Soldat wurde belangt. Was aber tut ein Soldat, wenn ein Träger nach einer Meile sagt: „Ich trage dein Gepäck noch eine zweite Meile!“? Auch hier geschieht etwas, was wir neudeutsch „Reframing“ nennen: Der Träger tut so, als würde er den Soldatenrucksack freiwillig tragen. Ich stelle mir vor, wie der Soldat den Rucksack an sich reißt und schnell wegläuft. Die Verhältnisse haben sich verkehrt: Plötzlich stellt der Unterdrückte eigene Spielregeln auf.

In beiden Fällen wird es spannend – wie beim Kindergeburtstag. Finden die beiden in den Frieden? So, dass beide als kostbare, von Gott geliebte Menschen aufrecht ihres Weges ziehen? Der erste Schritt ist getan.

Friedenssuche ist voller Lebensenergie. Ich bin gespannt, welche Bilder wir malen werden, wenn wir in diesem Jahr den Frieden suchen und ihm nachjagen.

Ihre Pfarrerin Dr. Susanne Edel