„Nach Wasser LECHZEN“ – ein altmodischer Begriff, aber viele von uns werden sich dabei sofort an eine Situation erinnern, in der sie einmal so richtig durstig waren, sich schlapp und ausgetrocknet gefühlt haben.

Nach etwas „lechzen“: Etwas wollen und herbeisehnen, was man unbedingt zum Leben braucht; so könnte man das Wort umschreiben.

Bei einer anstrengenden Wanderung in der Sommerhitze ist es kühles Wasser – sonst nichts, nach dem man lechzt: Ein Schluck frisches Wasser und die Lebensgeister erwachen wieder. Gestärkt und erfrischt kann man den Weg weitergehen.

Wasser ist ein Urstoff des Lebens, notwendig, damit Pflanzen, Tiere und Menschen leben können. Ohne Wasser würde alles vertrocknen und erstarren. Auch wir in Deutschland können nach Trockenphasen immer mehr erahnen, was das bedeutet. Besonders die Landwirte, die auf den Feldern unsere Lebensmittel säen oder pflanzen, pflegen und ernten, wissen genau, wie sehr das Wachsen und Gedeihen vom Regenwasser abhängt.

So lange etwas im Überfluss oder zumindest im ausreichenden Maß vorhanden ist, neigen wir Menschen dazu, die Bedeutung und den Wert eines Gutes zu unterschätzen.

Oft lässt uns erst ein Mangel wieder bewusster und dankbarer leben.

Nicht nur nach Wasser kann man dürsten, sondern nach vielen weiteren notwendigen Dingen, wie z.B. nach Frieden. Selten ist uns in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bewusst geworden wie wichtig und dennoch nicht selbstverständlich dieser ist.        

Mir scheint, im Moment haben wir alle großen Durst in diesem bildhaften Sinne, sei es nach Frieden zwischen Staaten, nach Gesundheit oder einfach nur Normalität. Deshalb passt der Vers für mich sehr gut in die aktuelle Situation in dieser Welt. Angesichts der vielen schrecklichen Nachrichten, die täglich zu sehen und zu lesen sind, könnte man verzweifeln. Aus eigener menschlicher Kraft heraus scheint es kaum Lösungen zu geben.

 In unserem großen Durst wenden wir uns mit dem Psalmbeter an Gott, im Vertrauen darauf, dass er seine Welt in der Hand hält und die Geschicke und Herzen von uns Menschen zum Guten lenkt.

David Nerz

 

Was für ein seltsamer Monatsspruch! Erst taucht das Wort „Siegel“ zweimal auf und dann folgt ein recht ungewöhnlicher Vergleich: „Liebe ist stark wie der Tod.“

Vielleicht verstehen wir den Monatsspruch etwas besser, wenn wir uns vergegenwärtigen, woher er stammt. Das Hohelied besteht aus einer ganzen Sammlung von Liebesliedern, in der die beiden Liebenden ihre Empfindungen mit viel Poesie ausdrücken.

Bei unserem Monatsspruch sagt eine Frau, dass sie möglichst nahe bei ihrem Geliebten sein möchte. Ein Siegel trug man damals an einer Schnur um den Hals. Es geht also um Nähe, Zweisamkeit und Verbundenheit.

Interessanter finde ich aber den zweiten Teil des Monatsspruchs: „Liebe ist stark wie der Tod.“ Hier geht es um die Kraft oder Macht der Liebe. Diese Kraft wird dem Tod gleichgestellt. Der Tod ist auch mächtig. Er zerstört Leben. Keiner kann ihm entkommen.

Aber Gott hat uns ein Gegengift gegeben: die Liebe. Auch sie ist mächtig, aber sie schafft Leben. Sie macht das Leben erst lebenswert.

Im Neuen Testament finden wir ebenfalls ein Hoheslied der Liebe. Es lohnt sich, 1. Korinther 13 einmal zu lesen.

Hier wird schön verdeutlicht,

welche Bedeutung die Liebe hat. Am Ende des Kapitels kommt Paulus zu dem Ergebnis: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Die Verbindung zwischen Liebe und Tod kennen wir auch von Jesus. In Johannes 3 heißt es: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Gott schickt seinen Sohn in den Tod, damit wir neu leben dürfen. Damit der Tod eben nicht das letzte Wort hat. Damit wir durch unseren Glauben die Hoffnung haben dürfen. Und weil Gott so voller Liebe ist, sollen wir seinem Beispiel folgen.

Ja, es stimmt – Liebe ist stark wie der Tod. Aber seit Jesus hat der Tod seinen Schrecken verloren und die Liebe hat gesiegt. Das ist Grund genug, uns jeden Tag bewusst zu machen, welch ein Liebesgeschenk wir an Ostern bekommen haben. Jesus hat uns gezeigt, wie bedingungslose Liebe geht. Er ist die Liebe. Und wenn wir an ihn glauben, dann werden wir von dieser unerschöpflichen Liebe angesteckt und können sie an andere weitergeben.

Martin Sautter

 „Es ist nichts mehr wie es war“, der Satz des Bundeskanzlers schlug ein wie die Bomben auf die Ukraine. Man hat geahnt, dass es so kommen könnte und gehofft, dass der Supergau nicht eintritt. Und doch, wie sich die Situationen immer wieder gleichen, Hilflosigkeit und Zorn wechseln sich ständig  ab über das was geschieht, man kommt nicht zur Ruhe, eine Nachricht, eine Talkshow jagt die andere.

Für Maria von Magdala und ihre Freunde, die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu muss die Situation ähnlich gewesen sein. Ohnmächtig zuzusehen, wie Jesus ihr Herr und Meister gekreuzigt wird, ist nicht einfach, aber die anderen haben die Macht. Und dann, am Morgen nach dem Passafest treibt es Maria in aller Frühe zum Grab. Sie muss etwas tun, die Ohnmacht überwinden. Sie eilt zur Grabeshöhle um nachzusehen, um sich zu vergewissern, was da an Karfreitag geschehen ist. Und dann kommt der nächste Schock, der Stein vor der Grabeshöhle ist weg, das Grab ist leer. Verzweifelt läuft sie zu Petrus und Johannes, sie erzählt ihnen, dass der Stein weggewälzt wurde und dass das Grab leer ist, und sie vermutet, dass sie Jesus weggebracht haben.

Wir kennen die Geschichte, (oder können sie mal nachlesen, Joh. 20, 1-18 ) Petrus und Johannes laufen so schnell sie können zum Grab. Johannes ist etwas schneller als Petrus, er beugt sich vorsichtig hinein, sieht die Leinentücher daliegen, aber er traut sich nicht weiter. Dann kommt auch Petrus an, er hatte wohl keine Angst, er ging sofort ins Grab hinein, aber auch er sieht nur die Leinentücher daliegen,  das  Tuch  das den Kopf bedeckt

hatte lag aber zusammengefaltet auf der Seite.

Als sich dann auch Johannes ins Grab traut und das zusammengefaltete Tuch sieht, überkommt ihn eine Ahnung über das was die Schrift sagt, dass Jesus von den Toten auferstehen würde. Während Petrus und Johannes wieder nach Hause gehen, steht Maria, die auch wieder zum Grab kam, vor dem Grab und weint, sie kann nicht zur Tagesordnung übergehen. Ihre Anteilnahme braucht mehr Zeit. Sie muss noch einmal nachschauen was im Grab wirklich zu sehen ist. Und da geschieht es, Jesus spricht sie an „ Maria“ sagt Jesus. Im Unterschied zu den Jüngern, die in ihrer Ahnung, dass Jesus auferstanden sein könnte, wieder nach Hause gehen, erfährt Maria im „Bleiben“ in ihrer „Anteilnahme“ die Begegnung mit dem Auferstandenen. Jetzt kann sie auch nach Hause gehen und von der Begegnung mit dem Auferstandenen berichten. Jetzt kann sie ruhig werden und erzählen, was der Auferstandene Jesus ihr aufgetragen hat.

Den Glauben vom auferstandenen Jesus weitergeben kann man wohl nur, wenn man zur Ruhe kommt und sich wie Maria von Jesus ansprechen lässt, auch und gerade jetzt, wo alles außer Rand und Band ist.

Ich wünsche uns allen, - dass wir trotz des Krieges in der Ukraine von dem wir alle wünschen, dass er hoffentlich bald vorbei ist und das Bomben und Töten und Vertreiben ein Ende hat - dass die Anteilnahme am Leiden und  Sterben  Jesu  an  Karfreitag  uns  zur  

Glaubensgewissheit  am Ostermorgen wird.

Theo Schneck

Ist das ein frommer Wunsch, der den Monat Mai begleiten soll? Ein zu großer sogar? „In jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit“, das klingt anspruchsvoll. Und ich merke, wie sich in mir die altbekannte Frage an der Ladentheke umkehrt und ich überlege: „Darf´s ein bisschen weniger sein?“ Das wäre doch auch schon recht, wenn wir eine Zeit erleben würden, in der wenigstens im Großen und Ganzen Wohlergehen und Gesundheit zur Verfügung stünden! Besonnene Menschen sagen deshalb: „Nun, man hat seine Wehwehchen, und solange man die hat, merkt man, dass man noch lebt“ – und, so füge ich hinzu, dass man den unglaublichen Vorzug genießen darf, derzeit nicht um sein Leben bangen zu müssen.
Und vielleicht ist es ja das, was der Verfasser des dritten Johannesbriefs seinem Freund Gaius sagen will: Dass er eine Zeit erleben möge, in der er nicht bangen muss, sich nicht ängstigen muss um sein Leben, sondern Wohlergehen und Gesundheit als göttliche Geschenke besitzen darf. Wie groß diese Geschenke sind, erkennen wir nach zwei Jahren Pandemie und zwei Monaten Krieg in Europa deutlicher denn je. Letzten November starb mein älterer Freund Peter an Corona, und jeden Tag fliehen unzählige Menschen vor dem drohenden Tod aus der Ukraine.
Irritiert und sehnsüchtig zugleich schaue ich deshalb auf den Anfang des dritten Johannesbriefs: In jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, - wie gerne würde ich diese Dinge mit vollen Händen verteilen, sodass kein Mensch daran Mangel leidet! Wie gerne würde ich sagen, dass der Shalom Gottes nur noch kurze Zeit auf sich warten lässt! Doch ich muss zugeben: Das kann ich nicht, das liegt nicht in meiner Hand.
Umso wichtiger ist mir deshalb der Ratschlag Martin Luthers: „Greife zum Lobe Gottes, wenn dir nicht wohl zumute ist. Denn niemand wird vom Bösen dadurch befreit, dass er auf seine Übel sieht, sondern dadurch, dass er auf die Güte Gottes schaut.“  Die eigene Seele – trotz allem, trotz dem alten Drachen, trotz dem Todesrachen (EG 396, 3) fröhlich und zuversichtlich in Gott ruhen zu lassen, in seiner Kraft, in seiner Gegenwart, im Vertrauen auf seinen Frieden, das ist der Schlüssel dafür, allen äußeren Mächten und Einflüssen zum Trotz gesund zu sein. Klar, das ist nicht einfach, weil vieles an uns zerrt und weil wir oft so abgelenkt, so beschäftigt sind, gar nicht zum Wesentlichen kommen. Und weil das Lob Gottes auch noch morgen Zeit hat. Doch wenn wir heute das Wohlergehen unserer Seele suchen, dann, so Luther, ist das Lob Gottes, die Stille, die innere Balance wichtiger als alles andere. -- Ich wünsche Ihnen und euch allen, den Kirchemerinnen und Kirchemern, einen gesegneten Monat Mai!

                           Ihr/Euer Andreas Bührer.

Gemeinsam mit Ute von 1987-1990

zuhause Am Plon 4, heute

Pfarrer in ES-Hegensberg/Liebersbronn. 

 

Oh ja, der Zorn!! Da sind wir sicherlich alle sehr unterschiedliche Typen. Was für ein Zorn-Typ bist Du? Gehörst Du zu den Cholerikern, welche im Zorn die ganze Welt zusammenschreien. Oder bist Du eher die Person, die Ihren Zorn runterschluckt, ihn gar nicht raus lässt?
Manchmal ist es auch so, dass wir vor anderen Menschen unseren Zorn runterschlucken, unsere Lieben ihn aber deutlich ungefilterter zu spüren bekommen. Können sie den Zorn besser wegstecken? Uns besser einschätzen?

Aber ist Zorn für uns Christen überhaupt zulässig? Ist Zorn nicht ein Zeichen der Sünde, den es abzustellen gilt? Sollen wir stattdessen nicht lieber die andere Backe hinhalten und den Zorn runterschlucken?

In kirchlichen Kreisen ist es oft üblich, dass Konflikte vermieden, unter den Teppich gekehrt werden. Aber ist das wirklich zielführend? Ich glaube, das Ausstreiten mancher Themen führt weiter als das Ausschweigen von Problemen. Auch Zorn muss mal raus. Das tut auch einer liebevollen Beziehung gut, wenn man seinen Unmut kundtut, statt ihn immer runterzuschlucken.

„Zürnt ihr, so sündigt nicht“, sagt der Monatsspruch im Epheserbrief. Ich weiß sehr wohl, wie schwierig es ist, bei einem Streit zwischen Sachebene und emotionaler Ebene zu trennen. Aber sündig wird ein Streit oder ein Zorn, wenn er persönlich wird, wenn das streitende Gegenüber runtergemacht und nicht als Person wertgeschätzt wird. Streit muss nicht Demütigung bedeuten und mit Sieg oder Niederlage enden. Im Streit können alle Partner wachsen.

Und der beste Tipp zu diesem Thema kommt gleich im zweiten Halbvers des Monatsspruches: „Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen!“.

Wie gut kann es tun, wenn man der Person, mit der man gestritten hat spätestens am Ende des Tages deutlich macht, dass man sie mag, sie möglicherweise in den Arm nimmt. Das Thema des Streits kann den Tag überleben, vielleicht auch nicht, aber der Zorn ist dann verraucht.

So kann ich im Zorn trotzdem lieben.

Klaus-Dieter Kriegeskorte